20 Januar 2026

Schätze des Stadtarchivs: Der Nachlass von Hans Sachs

Westsachsen/Zwickau.-
Vor 450 Jahren, am 19. Januar 1576, verstarb der Schuhmacher, Dichter und Meistersinger Hans Sachs. Obwohl er den größten Teil seines Lebens in seiner Geburtsstadt Nürnberg verbrachte, befindet sich der überwiegende Teil seines Nachlasses in Zwickau. Die Bände gehören zu den wertvollsten Beständen des Stadtarchivs, das selbst auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken kann.
Der Nürnberger Schuhmacher Hans Sachs (1494–1576) war ein bedeutender deutscher Dichter und Meistersinger. Frühzeitig mit dem Gedankengut Martin Luthers vertraut, trat er ab 1523 als engagierter Befürworter der Reformation hervor. Dies offenbarte sich in seinem poetischen Schaffen, sowohl in den Meistergesängen als auch in der Spruchdichtung.
Die Meistergesänge machen einen Großteil des Gesamtwerkes aus. Mehr als 2000 geistliche und 2300 Lieder weltlichen Inhalts sind erhalten geblieben. Hans Sachs war es, der die Meistergesänge in den Dienst der Reformation stellte und zur Aufklärung und Vermittlung nutzte. Die geistlichen Lieder setzten Abschnitte der Lutherischen Bibelübersetzung in Meistersinger-Töne um. Die weltlichen Lieder kannten hingegen kaum Einschränkungen. Hier finden sich beispielsweise Schwänke, Fabeln und Historien.
In seiner Gesamtheit weist das literarische Werk Hans Sachs autobiographische Züge auf. Es gibt zudem Einblicke in seine politischen und religiösen Anschauungen und seine Stellung zu aktuellen Ereignissen. Hans Sachs, der weiterhin Schuhmacher blieb, schrieb etwa 1900 Spruchgedichte, 61 Tragödien, 64 Komödien und 85 Fastnachtsspiele. Zu den wohl bekanntesten seiner Spruchgedichte gehört das 1523 als Flugschrift veröffentlichte Spruchgedicht „Die Wittembergisch nachtigall“, in dem er sich zur Lutherischen Lehre bekennt. Im Zuge der Nachlassregelung Johann Pregels – ein Urenkel des Dichters – gelangte im Jahre 1634 ein Großteil der Bände mit seinen Originalhandschriften durch Ankauf in den Besitz der Stadt Zwickau.
Der Nachlass von Sachs gehört wegen seiner internationalen Bedeutung heute zu den wertvollsten Archivalien des Zwickauer Stadtarchivs, das aufgrund seiner umfangreichen Bestände zu den bedeutendsten Kommunalarchiven in Sachsen zählt. Per Gesetz ist es für alle Fragen des kommunalen Archivwesens zuständig und verwahrt insbesondere das Archivgut des Stadtrates, der Stadtverwaltung oder der zur Stadt gehörenden Betriebe und Einrichtungen. In seinen Beständen befinden sich auch Nachlässe aus Privatbesitz Zwickauer Persönlichkeiten sowie Vereins-, Verbands- und vereinzelt Firmenunterlagen.
Die besondere Bedeutung des Stadtarchivs Zwickau ist schließlich in den umfangreichen historischen Beständen begründet. Die älteste verwahrte Urkunde stammt aus dem Jahr 1273. Hier finden sich Originalhandschriften, beispielsweise von Martin Luther, Thomas Müntzer, Philipp Melanchthon, Adam Ries oder Johann Sebastian Bach, ebenso wie Kaiser-, Königs- oder Papsturkunden. Das Stadtrechtsbuch von 1348 oder die bis 1510 zurückreichenden Ratsprotokolle belegen beispielhaft, dass das Archiv das „Gedächtnis“ der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt ist. Hinzukommen etwa Fotos und Dias, Karten und Pläne oder die Zwickauer Zeitungen seit 1802. 1487 erstmals urkundlich erwähnt verfügt das Stadtarchiv heute über mehr als 6 km Archivgut.
Quelle und Fotos: Stadtverwaltung Zwickau