23 März 2023

Beispielhafte Restaurierung: Vielauer Altar wird feierlich enthüllt

Westsachsen/Zwickau.-
Nach langer Restaurierungsgeschichte wird der Vielauer Altar aus der Hand Peter Breuers am Mittwoch, dem 29. März in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum feierlich enthüllt.
Seit 2008 läuft in den Kunstsammlungen mit Unterstützung der Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein beispielhaftes Forschungs- und Restaurierungsprojekt zur Erhaltung der sakralen Bildwerke aus der westsächsischen Region. Für die Dauerausstellung „Im Himmel zu Hause“, Teil der Zwickauer KUNSTSAMMLUNGEN, sind Objekte aus eigenem Bestand sowie Leihgaben aus den Kirchgemeinden der Stadt und des Landkreises Zwickau (Reinsdorf, Vielau, Culitzsch, Niedercrinitz, Obercrinitz, Stangengrün) aufwändig restauriert worden. Eigens dafür kam ein neu entwickeltes Verfahren zur Extraktion holzsubstanzschädigender Mittel zur Anwendung. Die Altarwerke, Kruzifixe, Marien- und Heiligenfiguren sowie Engeldarstellungen gehören nicht nur zu den Glanzstücken des Museums, sondern zählen zu den bedeutendsten dieser Art in ganz Sachsen.
Nun kann eines der wichtigsten Werke – der Vielauer Altar – endlich wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Vielauer Altarretabel gilt als eines der Hauptwerke des Zwickauer Künstlers Peter Breuer. Es stammt aus seiner späteren Schaffensperiode und wird als eine der qualitätsvollsten Arbeiten dieser Zeit gewürdigt. Die Datierung des Altarretabels ist inschriftlich gesichert: Hinter den Figuren in den Altarflügeln befindet sich die Jahreszahl 1514. Ein nicht genauer zu identifizierendes senkrechtes Zeichen dahinter wird als mögliche Ergänzung um ein Jahr interpretiert.
Im Mittelschrein ist Maria mit dem Christuskind zwischen den Schutzheiligen der Vielauer Kirche, Petrus und Paulus, zu sehen. Die Figuren stehen auf Konsolen über einem durchlaufenden Sockel, auf dem ihre Namen in goldener Schrift verzeichnet sind. Die Schreinrückwand ist im oberen Teil vergoldet und mit Pressbrokatmustern verziert. Schleierbretter mit Rankenwerk schließen Schrein und Flügel ab. Die gekrönte Marienfigur erscheint als Mondsichelmadonna vor einem goldenen Strahlenkranz und präsentiert das in lebendiger Bewegung wiedergegebene Christuskind. Die Gesichter der Schutzheiligen sind plastisch durchgearbeitet und von dunklen Bärten gerahmt. Die beiden Heiligen in den Seitenflügeln – links Katharina, rechts Barbara – sind etwas größer als die Figuren im Mittelschrein. Auffällig ist ihre vornehme Tracht, die – zum Beispiel mit der Haube der Katharinenfigur – Anklänge an die damals moderne Kleidung zeigt. Die Rückseiten der Flügel sind bemalt mit Heiligenfiguren, links ist Anna Selbdritt und rechts die heilige Barbara dargestellt.
In der Sammlung des Museums befinden sich zahlreiche sakrale Holzskulpturen und Altäre aus vorreformatorischer Zeit, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegen Schädlingsbefall mit einem harz-ölhaltigen Holzschutzmittel getränkt wurden. Leider stellte sich schon bald heraus, dass diese Behandlung, die nicht nur in Zwickau, sondern auch sachsenweit angewendet wurde, starke Schäden in Form von austretenden öligen Tropfen verursacht und langfristig die Holzstruktur zersetzt. Jahrzehntelang wurde geforscht, wie man diese Substanz aus den Skulpturen herauslösen kann, ohne die farbigen Fassungen und Vergoldungen zu schädigen.
Dank eines Restaurators aus dem Freiberger Raum konnte 2008 die Extraktion zweier sehr stark verölter Skulpturen, die aus dem Vorgängerbau der Reinsdorfer Kirche St. Jakobus stammen, begonnen werden. Die Objekte wurden dafür in einem geschlossenen Behälter bei leichtem Unterdruck mit dem entsprechenden Lösemittel unter Stickstoffatmosphäre bedampft. Durch diese „berührungsfreie“ und damit sehr schonenden Methode war es möglich, die Verölungen auch im Inneren der Skulpturen zu lösen, sodass das nun wieder flüssig gewordene harz-ölhaltige Mittel austreten und abtropfen konnte. Allerdings ist das ein sehr langwieriger Prozess, der über Jahre andauert.
Nachdem das Verfahren erfolgreich an zwei sehr stark geschädigten Figuren erprobt wurde, konnten nun auch weitere Objekte so behandelt werden. Aufgrund der Bedeutung der Kunstwerke wurde der Verlauf dieser Behandlung ständig beobachtet und von einem Team an Restauratoren und Restauratorinnen sowie von den Fachmitarbeitern der Zwickauer Kunstsammlungen und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden begleitet und dokumentiert.
Quelle und Fotos: Stadtverwaltung Zwickau