12 Oktober 2022

Wegen Tausend Euro: Polizei-Überfall auf Bio-Bauern-Ehepaar

Westsachsen/Crimmitschau.- Bereits am Mittwoch, dem 28. September 2022, ereignete sich in Crimmitschau ein viel beachteter Polizeieinsatz, der bei zahlreichen Anwohnern, die von der Polizei aus ihrer Ruhe gerissen wurden, bis heute Fragen aufwirft. Wir bringen hiermit ein wenig Licht ins Dunkel.
Gegen 9 Uhr setzte sich ein massives Aufgebot aus bewaffneten Polizisten in schwarzer Kampfmontur, die mit 15 Einsatzwagen angerückt waren, in der Helmut-Bräutigam-Straße in Bewegung. Die beteiligten Polizisten machten dabei einen hochmotivierten Eindruck auf Außenstehende. Nachbarn, die den Einsatz beobachten wollten, wurden vom Ort des Geschehens vertrieben, sofern sie nicht bereits aus Eigeninitiative die Flucht ergriffen hatten. Bei ihrem Marsch zum auserkorenen Einsatzobjekt vermummten sich die Einsatzkräfte zudem mit schwarzen Sturmhauben.
Gegen wen richtete sich dieser Einsatz? Das fragten sich an diesem Morgen viele Augenzeugen dieses spektakulären Auftritts. Terroristen? Clan-Kriminalität? Drogenhandel? Schleuserbanden?
Keine dieser eigentlich naheliegenden Vermutungen traf zu. Der martialische Einsatz richtete sich an diesem Morgen gegen ein in Crimmitschau und darüber hinaus beliebtes Ehepaar, welches einen Bio-Bauernhof mit angeschlossenem Hofladen betreibt. Während der Zeit der Zwangsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Bekämpfung, die den hiesigen Einzelhandel in den vergangenen beiden Jahren stark gebeutelt hat, hatten die Betreiber aufgrund ausgebliebener Einnahmen ihre Zahlungen an die Berufsgenossenschaft eingestellt. Dabei sind insgesamt 1056 Euro aufgelaufen. Zu deren Eintreibung sollte nun die geballte Staatsmacht sorgen, die sich im Beisein einer Gerichtsvollzieherin und eines Zollbeamten jetzt gewaltsam Eingang in die Arbeits- und Wohnstätte des Ehepaares verschaffte.
Die vermummten Beamten, die dabei keineswegs zimperlich vorgingen, hielten es nicht für nötig, sich auszuweisen und verweigerten dies auch mehrfach nach entsprechender Aufforderung. Ebenso wurden alle Fragen nach dem Grund der offensichtlich völlig unverhältnismäßig großen Truppenstärke und Bewaffnung des Einsatzes ignoriert. Einem zufällig anwesenden Passanten, der den skandalösen Vorgang mit seinem Mobiltelefon filmen wollte, wurden die vermummten Staatsdiener gegenüber handgreiflich. Sie sprachen Strafandrohungen aus, für den Fall, dass man das Material später ins Internet stellen würde. Offenkundig scheut die Polizei bei ihren immer brutaler werdenden Exzessen gegen friedliche Bürger aus naheliegenden Gründen das Licht der medialen Öffentlichkeit.
Die Räumlichkeiten der Bio-Bauern wurden nach diesem schlagkräftigen Auftritt über zwei Stunden lang auf den Kopf gestellt. Durch die Vielzahl unübersichtlicher Situationen ist es den Opfern dieser Polizeimaßnahme bis heute unmöglich, eine genaue Aufstellung zu machen, was im Zuge dieser Plünderung alles entwendet wurde. Zwei Beispiele sind hierfür allerdings besonders bezeichnend. Unter dem Schutz der Beamten zerbrach der am Einsatz beteiligte Zollbeamte einen in der Wohnung aufgefundenen Scherzartikel aus Schokolade, in den eine 1-Euro-Münze eingebettet war. Der eifrige Staatdiener kratzte tatsächlich im Anschluss die verbliebene Schokolade von der Münze, um diese dann einzustreichen. Weiterhin wurde ein liebevoll gestalteter Bilderrahmen, in den die Betreiberin einst symbolisch die erste Einnahme nach der Eröffnung ihres Geschäfts (vier 5 Euro-Scheine und einige Münzen) eingerahmt hatte, zerstört, um an das Geld im Innern des Bildes zu gelangen.
Während das Ehepaar ihr über zweistündiges Martyrium durchleben musste, trafen am Eingang des Grundstückes etliche Nachbarn ein, die sich Sorgen machten und nach dem Grund dieser Maßnahme, insbesondere hinsichtlich des massiven und schwer bewaffneten Aufgebotes, fragten. „Wir wurden dazu gerufen“, meinten die Vermummten und „Bevor wir alle auf dem Revier rumsitzen, können wir ja auch hier mit herkommen“. Zum Kopfschütteln über derartige Antworten hatten die Augenzeugen des Vorfalls danach keine Gelegenheit mehr, sie erhielten unter Gewaltandrohung umgehend Platzverweise.
Dass das willkürliche Eingreifen in die eigentlich vom Grundgesetz geschützte Privatsphäre der Menschen immer mehr überhand nimmt, haben wir bereits im Mai berichtet. Damals betraf es die Wohnungen und das Büro einiger Journalisten in Zwickau und Werdau (WSZ berichtete).

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