26 Juni 2022

Gudrun Rödel: Halbwahrheiten und merkwürdige Schlussfolgerungen

Westsachsen/Zwickau/Plauen.-
Gudrun Rödel (Archivfoto), Autorin des Buches „Weggesperrt“, fühlte sich von ihrem Verlag ungerecht behandelt. Sie war der Meinung, nicht genug Geld für den Verkauf ihrer Bücher bekommen zu haben. Deshalb wandte sie sich zunächst an Rechtsanwalt Reinhard Schübel, den falschen Doktor aus Plauen. Dieser schrieb einen Brief mit der Forderung, alle Abrechnungen sehen zu wollen. Auf die Gegenforderung, er möge doch zunächst seine (nicht vorhandene) Doktorarbeit vorzeigen, reagierte er nicht mehr. Daraufhin versuchte es Rödel mit einer Strafanzeige bei der Zwickauer Staatsanwaltschaft. Am 5. Mai kam es am Amtsgericht Zwickau zum Prozess.
Gudrun Rödel war als Zeugin geladen. Gleichzeitig war es ihr gestattet, als Nebenklägerin aufzutreten. Das bedeutet, dass sie trotz Zeugenstand während der gesamten Verhandlung im Gerichtssaal verbleiben durfte. Als der vorsitzende Richter den Angeklagten nach seinen persönlichen Daten befragen wollte, forderte dieser von ihm, er möge zuvor versichern, der „kriminellen Vereinigung“ um Amtsgerichtsdirektorin Eva-Maria Ast, Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner und Staatsanwalt Jörg Rzehak nicht anzugehören. Außerdem sollte ihm der Richter zusichern, dass er im Vorfeld keinerlei Absprachen mit der Staatsanwaltschaft Zwickau bezüglich des Vorgehens gegen den Angeklagten getroffen habe. Letzteres bestätigte der Richter zunächst, lehnte jedoch eine unterschriftliche Erklärung und die Protokollierung ab. Auch bestritt er nicht die Existenz dieser kriminellen Vereinigung, von der er sich ebenfalls nicht schriftlich distanzierte. Demzufolge war er nach objektiver Betrachtung nicht in der Lage, ein wertneutrales Urteil zu fällen. Der Angeklagte lehnte deshalb die Weiterführung des Prozesses ab.
Der noch recht junge Richter verließ den Saal, um sich zu beraten. In der Zwischenzeit wurde der im Raum verbliebene Staatsanwalt von einer Zuschauerin mit dem Zwickauer Überklebungsskandal konfrontiert. Wie weit er denn mit den Ermittlungen sei und ob nun seine strafvereitelnden Kollegen endlich zur Rechenschaft gezogen würden, wurde er gefragt. Ein ebenfalls unter den Zuschauern sitzender Zwickauer Stadtrat warf der Fragestellerin vor, sie hätte den Staatsanwalt beleidigt. Dieser zeigte sich äußerlich recht unbeeindruckt, hoffte wohl insgeheim, der Richter möge bald zurück sein. Nachdem dieser den Raum wieder betreten hatte, ging der Prozess weiter. Die Zeugin Gudrun Rödel durfte ihre Wahrnehmung der Geschehnisse ausführlich darlegen. Danach beantragte der Staatsanwalt die Einstellung des Verfahrens mit den Worten: „Das scheint hier eher ein zivilrechtlich zu klärendes Problem zu sein“.
Seit einiger Zeit ist ein Video im Umlauf, in dem Gudrun Rödel allerlei Halbwahrheiten über diesen Prozess unters Volk streut  (Link auf Facebook). Ab Minute 41:45 kann der verwunderte Zuschauer unter anderem vernehmen, ein Anwalt hätte ihr verraten, dass inzwischen auch Reichsbürger in die Justiz involviert seien. Einige Minuten zuvor fordert die Autorin die digitale Prozessbeobachtung, damit die Lügerei vor Gericht endlich aufhört. Eine möglicherweise angefertigte Audioaufnahme würde jedoch den tatsächlichen Ablauf dieses Prozesses komplett anders darstellen, als Gudrun Rödel es der Öffentlichkeit glauben machen will.

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