30 Januar 2022

Zusammenfassung: Der Bürgerrechtler Martin Böttger gestern und heute

Senil oder gefährlich?

Berlin/Westsachsen/Zwickau.- Der Zwickauer GRÜNEN-Politiker Martin Böttger ist einer der angesehensten Bürger des Landes. Er bekam von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz für seine „Verdienste als Bürgerrechtler“ verliehen (Foto). Ihm wird nachgesagt, er habe sich vor der politischen Wende im Kampf gegen das DDR-Regime verdient gemacht, mehrere Demonstrationen mit organisiert und sei deswegen auch verhaftet worden. Böttger selbst bestätigt diese Legende: „Ich bin in den 1980er Jahren mit einem selbst gebastelten Schild zur 1. Mai-Demonstration in Chemnitz gegangen, habe damit auf die Menschenrechtssituation in der damaligen DDR aufmerksam machen wollen.“ Man habe ihn verhaftet, auch in der Folge mehrmals. Meist am nächsten Tag wieder frei gelassen, bis auf einmal. Da saß er 14 Tage am Stück in Haft. Seinem Engagement als Oppositioneller habe das jedoch keinen Abbruch getan, so der heute 74-Jährige. Nach der Wende war er Mitglied des Sächsischen Landtags, Vorsitzender des „Neuen Forums“ und noch einiger anderer Organisationen (nachzulesen bei Wikipedia). Bis heute ist Böttger politisch als bündnisgrüner Abgeordneter im Zwickauer Stadtrat aktiv. 
In letzter Zeit gab es hin und wieder einige Kuriositäten rund um den vermeintlichen Helden der Vorwendezeit. So behauptete Martin Böttger vor einiger Zeit, er sei ein Major des Chinesischen Geheimdienstes gewesen (WSZ berichtete). Emails, die er an Bürger schickte, die bei ihm um Hilfe nachsuchten, unterschrieb er regelmäßig mit „Major a.D.“. Hilfegesuche beantwortete er gern mit dem Satz „Ich könnte Ihnen helfen, mache es aber nicht.“
Man ist geneigt zu meinen, der alte Mann wird langsam senil. Am besten wäre es, ihn in Ruhe zu lassen und auf seine Einfältigkeiten nicht weiter zu reagieren. Das wäre jedoch fatal, denn der Mann ist nicht senil, sondern gefährlich. Gerade aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung wird ihm mehr Glauben geschenkt als den meisten anderen Menschen. Das nutzt Böttger weidlich aus. Um das zu verstehen, muss man sich näher mit der Materie befassen. Eine Fortsetzung dieses Artikels ist deshalb in Arbeit...
Foto: Metodi Popow

Schlaglöcher und Brücken

Westsachsen/Zwickau/Werdau.-
Im ersten Teil über den GRÜNEN-Stadtrat Martin Böttger (Foto) haben wir zu seiner öffentlich zugängliche Biografie geschrieben. Liest sich aber auch toll: Physikstudent an der Uni Dresden, kirchliche Friedensarbeit später Mitglied im Sächsischen Landtag und von 2001 bis 2010 Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Doch genau an dieser Stelle kommt die Lobhudelei zum Stocken. Mehrere ernstzunehmende Informanten berichten inzwischen übereinstimmend darüber, dass während dieser Zeit ihre Akten verloren gegangen seien. Eine Antragstellerin bekam zunächst einige Unterlagen mit dem Hinweis ausgehändigt, dass sie in ein paar Jahren nochmals nachfragen solle, da man immer wieder neue Schriftstücke finden würde. Als sie sich 2008 erneut erkundigte bekam sie die Auskunft, man könne unter ihrem Namen keinerlei Vorgang finden. Wie kann das sein? Wir haben Martin Böttger dazu befragt und folgende Auskunft bekommen: „Dieser Mann ist gefährlich - für die WSZ“. Damit bezog sich Böttger auf den Artikel mit der Überschrift „Senil oder gefährlich?“ und ist wohl der Meinung, diese Serie damit stoppen zu können. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist offensichtlich nicht gewollt.
Statt dessen frohlockt der 74-Jährige auf seinem Facebook-Profil darüber, eine Einstweilige Verfügung gegen die WSZ erwirkt zu haben. Diese bezieht sich auf den Artikel vom Dezember 2021 mit dem Titel „Einladung zum Gespräch: Gastgeber scheint völlig unvorbereitet“. Die beanstandete Passage haben wir bis zur Klärung des Sachverhalts vorübergehend gestrichen.
Martin Böttger ist in seiner Funktion als GRÜNEN-Politiker und Stadtrat umfassend über den Millionenbetrug der Sparkasse Zwickau informiert. Er weiß, dass die Zwickauer Justiz im Schulterschluss mit der Stadtspitze wissentlich und regelmäßig gegen geltendes Recht verstößt. Seine Meinung dazu ist ernüchternd: „Ich habe wichtigeres zu tun, kümmere mich gerade um Schlaglöcher und marode Brücken“. Was der umtriebige Stadtrat dabei geflissentlich verschweigt ist die Tatsache, dass diese Probleme mit dem durch die Sparkasse verzockten Geld hätten gelöst werden können. Die Zwickauer werden sich daran erinnern und bedanken, wenn sie demnächst wieder mit dem Auto unterwegs sind.

Der Heizer in der Moritzkirche

Westsachsen/Zwickau.-
 Auf die beiden ersten Teile zum umstrittenen GRÜNEN-Stadtrat Martin Böttger (Foto während einer Beobachtungsmission) „Senil oder gefährlich“ sowie „Schlaglöcher und Brücken“ gab es teils heftige Reaktionen. Deshalb werden wir es zunächst bei diesem dritten Teil bewenden lassen. Heute geht es darum, welche Aufgabe Böttger kurz vor der Wende in der Moritzkirche hatte. Darüber gibt es unterschiedliche Berichte von Zeitzeugen. Einige sagen, der vermeintliche „Bürgerrechtler“ hätte sich um ausreisewillige Gemeindemittglieder gekümmert. Andere geben an, ihn mit einer weiteren männlichen Person des nachts mitunter gesehen zu haben, wie er im Heizungskeller verschwand. Was die Frage aufwirft: Was hatte Martin Böttger Ende der 1980er Jahre zu verbrennen? Selbstverständlich haben wir ihn mit dieser Frage konfrontiert. Seine Antwort darauf: „Erst wenn Sie nachweisen, dass Sie wirklich Presse sind, beantworte ich Ihre Frage“. Will heißen, nur systemtreue Medien bekommen von ihm seine Version der Geschichte in den Notizblock diktiert.
Weitere Fragen, die sich seit dem Auffliegen des ehemaligen Zwickauer SED-Kreissekretärs und späteren Finanzbürgermeisters Bernd Meyer aufdrängen, haben wir ebenfalls an den selbst ernannten Stasi-Jäger Martin Böttger gestellt: Wie konnte dieser Mann unter Ihrer Aufsicht im Stadtrat unbehelligt zum Bürgermeister aufsteigen und jahrelang agieren? Sie hätten doch ach und weh schreien müssen, als Ihnen dessen Vergangenheit bekannt wurde. Oder hatten Sie bereits vor der Wende Kontakt zu ihm? Sie verkehrten regelmäßig in den Kreisen des MfS, wie Sie selbst immer wieder erzählen. Welche Funktion hatten Sie damals inne? Mit der Aufarbeitung der SED- und Stasivergangenheit nehmen Sie es offensichtlich nicht besonders ernst. Oder spekulieren Sie selbst auf ein weiteres Bäumchen zu Ehren eines Stasi-Mitarbeiters?
Selbstverständlich erwarten wir auch hierauf keine Antwort, da Herr Böttger nur auf „wirkliche Presse“ reagiert. Aber vielleicht findet sich unter unserer geschätzten Leserschaft der/die eine oder andere Interessierte, der/die sich darum kümmern möchte...

Folgt uns auf Telegram
Jetzt die WSZ kostenlos abonnieren und keine Story mehr verpassen: Hier anmelden