05 März 2021

Verstoß gegen den verordneten Freiheitsentzug wird gnadenlos verfolgt

Westsachsen/Zwickau.- Die Jagd auf Corona-Sünder hat für die Zwickauer Stadtspitze weiterhin oberste Priorität. Dies stellte der amtierende Rathaussprecher Mathias Merz (Foto), der von vielen Zwickauern vor allem als Altlast der Findeiß-Ära gesehen wird, in dieser Woche unmißverständlich klar. In der Morgenpost verkündet er seine Bilanz der vergangenen Tage: Eine aufgelöste Feierlichkeit mit zehn Menschen in einer Pölbitzer Wohnung, die Auflösung einer illegalen Versammlung in einer Garage mit acht Menschen und die Auflösung einer Festlichkeit für sechs Kinder und Jugendliche. Diese „schwerwiegenden“ Verstöße gegen den erst kürzlich von der Landesregierung wieder verlängerten Freiheitsentzug wurden mit massiven Aufgeboten aus Polizei und Ordnungsamt aufgelöst, alle Beteiligten werden strafrechtlich verfolgt.
Rathaussprecher Merz verkündet diese Bilanz nicht ohne sichtlichen Stolz. Die Verfolgungen seien schließlich „im Interesse von Familien, Freunden und Mitbürgern“. Ob die Betroffenen das auch so sehen, dürfte fraglich sein. Merz selbst legt, wie viele andere kommunalpolitische Akteure auch, für sich selbst die Corona-Regelungen weitaus großzügiger aus. Zwar achtet er sehr penibel darauf, dass Rathausbesucher ihre Gesichtsmasken korrekt anlegen, an sich selbst stellt er jedoch weitaus geringere Ansprüche. Einen Mundschutz brauche er beim Kontakt mit Bürgern nicht zu tragen, stellte er im vergangenen Jahr gegenüber zwei Mitgliedern des Recherche-Teams der Westsächsischen Zeitung klar. Schließlich sei er hier bei der Arbeit.
Wie Oberbürgermeisterin Constanze Arndt (Bürger für Zwickau) die aktuellen Aktivitäten der Zwickauer Ordnungshüter gegen die Bürger, die sie zum Oberhaupt der Stadt gewählt haben, bewertet, wurde bisher noch nicht kommuniziert. Wir haben uns diesbezüglich mit einer Presseanfrage an die Oberbürgermeisterin gewandt. Über die Beantwortung werden wir in Kürze informieren.

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